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24.dez 07

Hallo meine lieben Tatsächlich ist es lange her seit ich euch das letzte mal geschrieben habe. Es ist nicht viel und doch wieder einiges geschehen seither. leider hatte ich einige wichtige dinge per mail zu organisieren, so dass ihr leute euch gedulden via blog musstet. Die zeit am computer vergeht immer wie im fluge.

Das letzte mal bin ich von einem sehr schönen wochenende in fada nach gaanyela zurueckgekehrt. Nach jenem wo-ende hatte ich mich einwenig aufs weggehen von gaanyela eingestellt, als limaba auf mich zukommt mit der information, dass ein lehrer fristlos „gekündigt“habe. Da stand plötzlich eine konkrete aufgabe vor mir. Ich spürte in mir aber nicht erleichterung oder freude, sondern „oh jeh“. Ich fühlte mich zu dem zeitpunkt überfordert mit der vorstellung eine klasse voll zu übernehmen. Ein völlig anderes schulsystem, kinder die anders mit der materie umgehen und vor allem nur die hälfte zu verstehen scheinen von meinem französisch. Ich hatte ja inzwischen bereits ein paar mal unterrichtet. Bestimmt könnte ich dies mit einigem effort machen, aber ob dies nun sinnvoll war? Mein „bauch“ freute sich nicht über diesen vorschlag. So entschied ich mich nach reichlichem hin und her überlegen, gaanyela trotz des angebotes ende januar zu verlassen und hoffte auf ein gutes gespräch mit limaba. Das gespräch war vielseitig und angenehm und schien mir auch für ihn ok. Ich wusste aufgrund unseres letzten schwierigen gesprächs nicht, ob er es vorziehen wuerde, dass ich gleich verreise. Dies wollte er aber auf keinen fall, damit wir uns alle auf eine gute art verabschieden können.

 Anfang februar wird roland baumann (solarofen und artemisia spezialist) nach burkina kommen. Diesen möchte limaba gerne treffen und so könnte ich mich dann verabschieden, wenn ich mit roland b. nach benin weiterreisen werde. In benin möchte ich die arbeit von roland und einem bekannten von ihm kennenlernen und so einwenig von einem anderen land kennenlernen. Zur zeit hoffe ich noch, dass ich anschliessend für eine weile an die elfenbein küste gehen kann, wo ich eine einladung von zwei leuten habe, die regelmässig in die schweiz kommen, um u.a. in schulen das afrikanische weben vorzustellen. Anschliessend möchte ich nach senegal gehen in ein dorf, wo die familie von einem klassenkollegen von anina lebt. Die beiden letzteren wollte ich ohnehin besuchen. Ich werde dies nun einfach früher machen und mir dafür mehr zeit lassen.

Was ist noch so bewegendes geschehen: Am 18. dez. hat „madame kiosk“ aus gaanyela geheiratet. (madame kiosk hat einen kleinen mahlzeiten stand im zentrum, wo aussenstehende und auch ich , essen gehen können. Diesem „restaurant“sagen sie eben kiosk. Ich weiss erst seit ihrer hochzeit, dass sie esita heisst, die madame.) Leider konnte ich da nicht den ganzen tag teilnehmen, weil es einige unklarheiten gab. Zudem bin ich nicht diejenige die an einem mir fremden ort einfach die freiheit heraus nehme, auf eigene faus zu handeln. Somit habe ich den ganzen tag geduldig gewartet, bis die leute vom zentrum an die hochzeit gingen. Doch niemand schien da unterwegs zu sein. Einmal wurde ich gefragt, ob ich denn nicht gehen würde; ich erklärte, dass ich gerne gehen werde, aber noch auf die leute warte, da ich keine ahnung hatte wie wo was stattfand. Er meinte, ich könne dann mit seiner frau um 17.00 gehen. (die kirche war um 9 im nachbardorf, anschliessend das fest; habe seit dem morgen auf das mitgenommen werden gewartet. Man hat mir gesagt, dass man in afrika geduldig sein muss. Ich habe mir dann immer wieder zugeredet, wenn ich dachte, dass doch nun ein grosser teil d. festes bereits um wär. Als es dann halb sechs wurde, machte ich mich auf die socken diese jenige frau zu finden, um zu klären, ob sie nun bald käme oder nicht, da ich doch gerne vor eindunkeln ins dorf gehen möchte, wo ich doch das erste mal im dorf sein würde. So brachte mich dann ein kind hin.

Inzwischen war es fast dunkel, das fest um, das essen aufgegessen und von der kleiderpracht war nicht mehr viel zu erkennen. Denn einige (inkl. Braut/bräutigamm)gingen dann duschen und kamen mit ganz alltäglichen kleidern daher. Gerne hätte ich bereits am tag einige fotos gemacht, da doch bestimmt eine hochzeit ein besonderer anlass für schöne bilder gwesen wäre. Tja, musste wohl nicht so sein. Aber anschliessend habe ich dann doch gedacht, dass sich die geduld in diesem falle deutlich nicht bewährt hat. die braut war enttäuscht und hat sich auch entschuldigt, dass ich nicht früher kommen konnte. Obwohl der hauptteil der hochzeit offiziell beendet war bei meiner ankunft, wurde ich von der ganzen familie begrüsst, alle kinder waren plötzlich wieder bei dem hochzeitspaar unter dem vordach,...es wurde nochmals gekocht, ich habe einen grossen schönen kabis geschenkt bekommen, süssigkeiten (kaugummi, tääfi,..) und im dorf wurde noch tüchtig getanzt. Natürlich wollten unbedingt alle, dass ich als weisse mittanze. Dies hat aber selbstverständlich zu viel gelächter geführt. Viele dinge, die für sie selbstverständlich sind, bringen sie zum lachen, wenn sie ein weisser mensch macht. Wie zb. das singen, tanzen, wasser tragen,.......auch wenn kurz und nur ein bruchstück des ganzen festes, war es für mich ein sehr schönes erlebnis, hautnah beim volk, mitten im leben; so mag ich es gerne. Dies unter freiem sternenhimmel bei nahezu vollmond. Traumhaft.

Am fest gab es unter anderem ein für mich herrliches erlebnis. Es gibt schwarze kleine kinder, die regelmässig weinen, wenn sie mein „bleiches“ gesicht sehen. Aber es gibt auch andere.

An der hochzeit gab es ein süsses kleines mädchen, das sich zu mir gesellte, kein wort sprach und mich anschaute. Als sie nach einer langen weile immer noch da stand und ich versuchte mit ihr kontakt aufzunehmen, fragte sie meine nachbarin, was sie denn möchte. Sie erkärte dass sie zu mir auf den schoss wollte. Ja und da war sie dann. Irgendwann war ich dann mit paar leuten sonst unterwegs und da tauchte sie plötzlich wieder auf und war dann wieder auf meinem schoss. Ich ging mit ihr tanzen, was ihr aber zu wild war. Als ich dann zum essen geholt wurde, stand sie auch wieder da und landete auf meinem schoss. Als ich dann so den teller mit reis vor mir hatte, war sie herrlich. Sie hat ganz anständig den löffel genommen und wollte anfangen zu essen. Das fand dann die braut doch nicht so ganz richtig und erklärte dass der löffel für mich wäre. So ass sie mit ihren kleinen süssen händen von der einen seite des tellers und ich mit dem löffel von der anderen seite. Sie ass so richtig edel. Als mal ein klein wenig auf ihren rock fiel, hob sie es sorgsam auf und legte es zurück in den teller. Aber während der ganzen zeit hat sie nicht ein einziges mal gelächelt, sondern wie soll ich sagen, nur ein stilles staunen gezeigt. keine forderung, keine erwartung, kein bitten, keine neugierde... ein besonderes erlebnis.

Im januar werde ich im dorf vorbeigehen und schauen, ob ich das mädchen wieder finde und wie sie reagieren wird. Neulich, als ich in der stadt einkaufen war, hatte ich viel zu schleppen. Auch mein rücken machte mir nicht allzu viel freude, so dass ich mich entschied, mein gepäck auf den kopf zu nehmen. Aber dies scheint einen besonderen effekt zu haben; kinder wie männer haben sich erkundigt, ob sie mir helfen könnten, ob es denn ginge, ob es nicht zu schwer wäre,....eine schwarze frau würde bestimmt nicht danach gefragt.

Hat es nicht einige leute gegeben, die mir prophezeiten mit einem adoptivkind zurückzukommen? Na, und nahe dran war ich; die möglichkeit war sehr nahe. Am Samstag morgen dem 15. dez. ist ein kleines mädchen im zentrum geboren von einer jungen 17jährigen frau. Leider hatte die frau eine traurige familiengeschichte und keine unterstützung von niemandem erhalten, so dass sie das kind nicht akzeptieren konnte. Sie schien ihm keine aufmerksamkeit schenken zu wollen. Sie nahm es nach der geburt nicht zu sich und trotz aufmunterung wollte sie es nicht stillen. Zu allem hin war es unterkühlt auf 34°. Als das kind so kalt dalag und sich niemand um die temperatur zu kümmern schien, habe ich mich entschieden das kind zu mir auf den bauch zu nehmen und an der sonne zu wärmen. Ja und da stand ich nun mit dem kleinen süssen wesen auf mir, das nicht gewünscht ist? Was wird wohl aus dem kind? Bei der erst besten gelegenheit in die wildnis gelegt, es verhungert,..? der mutter wär zu diesem zeitpunkt am meisten gedient, wenn ich einfach sagen würde, ich würde es adoptieren. Sie hätte wieder ein leben und eine familie.

da stehe ich mit meinem grossen kinderwunsch vor einer adoptionschance, idealer könnte sie nicht sein: kenne die mutter, bin bei der geburt dabei und es wäre auf legalem wege. aber meine ganzen ideellen gedanken, die ich mir bereits z.hause immer wieder gemacht habe bezüglich kultur, familie,....hielten mich davon ab, der mutter ein voreiliges angebot zu machen. Ein kind gehört grundsätzlich nach möglichkeit zu seiner mutter. So bin ich nun immer wieder zur mutter elisabeth gegangen und habe ihr versucht zu zeigen, dass das kind auf sie angewiesen ist, sie die einzige ist, die das kind ernähren kann und dass ich sie gerne unterstützen möchte, da wo sie hilfe braucht. Ursprünglich hätte elisabeth die schule verlassen sollen. Dank intensiven gesprächen mit verschiedenen emotionen hat limaba gemerkt, dass das kind zum tode verurteilt wäre, wenn er elisabeth mit ihrer tochter zu ihrer familie schicken würde. Es entstand ein schöner prozess, der noch immer im gange ist, der eine reintegration von elisabeth mit kind in ihre familie, in die familie vom kindsvater und die schule bedeutet.

Ich hoffe fest für die beiden, dass es in diesem sinne weiter geht. Wie es aussieht werde ich in zukunft ein weiteres patenkind haben (ein wenig anderer art als bis jetzt) und die kleine kann bei ihrer mutter bleiben. Dies ist eine ganz gute lösung, die mehr in meinem sinne ist als eine adoption. Manchmal fragte ich mich in gaanyela, warum ich bei den vorbereitungen wohl so ein sicheres gefühl im bauch hatte, dass ich dorthin gehen musste und nicht an einen anderen ort. War es vielleicht um diese kurze aber intensive erfahrung zu machen?

Seit dem 21. dez. bin ich nun bei sabrina in ouaga. Ich bin sehr gespannt wie weihnachten hier sein wird. Auch sabrina weiss es noch nicht. Bestimmt wird es nicht eine klassische afrikanische weihnacht aber bestimmt auch afrikanisch geprägt, da ihr partner fabrice von hier ist. Die hühner im hof „warten“ darauf geschlachtet zu werden. Dies ist doch schon mal typisch fuer hier. Sonst gibt es noch nicht viel an weihnachtlichem im haus. Auf der strasse hat es aber etwas sehr schönes: die kinder haben wunderschöne „krippen“ ,lehmgebäude, gebaut auf der strasse, die liebevoll geschmückt und bemahlt werden. Gestern abend waren wir an einem tollen konzert mit bil aka kora. Tolle musik, für mich eine schöne erfahrung. Ein kleines rätsel: was ist ein „poulet televise“ Ein zweites: was könnte ich wohl zum geburtstag kriegen? etwas, was ich sehr gerne mag und fast unvorstellbar scheint. Richtige lösungen werden belohnt nach meiner rückkehr. Viel spass beim knobeln. Nun habe ich wieder viel geschrieben, wollte bestimmt noch das eine oder andere schreiben, was mir nicht eingefallen ist.

Nichts desto trotz: Allen von ganzem herzen ein frohe, feierliche, besinnliche und erholsame weihnachtszeit ohne besuchszwang. Hört auf euer gefühl und akzeptiert, wenn mal jemand nicht kommen oder gehen mag. Vielleicht wird es dann plötzlich noch mehr weihnachten. Und an alle die, die sich zu arg sorgen um mich machen, mir geht es wieder deutlich besser und ich bin gespannt, was im neuen jahr alles neue auf mich zukommen wird. Von herzen alles liebe christine

24.12.07 12:09
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


thoms (24.12.07 20:57)
hallo christine....
stimmt mich nachdenklich was du so schreibst.... keine sorge... nicht negativ... kann mit dir mitfühlen, und häte doch nicht den mut. freu mich das du dich wohler fühlst.... wünsche der uf weli art au immer für di e schöni wienachte, hoffe hesch gmerkt das i do schribe.... und a di dänk.... und uf ei art isch jo da bestimmt au no e schöns geburtstagsgschänk, was do erläbsch... nid vo ufwiegbarem wärt, aber e langi errinerrig...
machs guet.... thoms


(26.12.07 09:49)
hallo chtistine, schön dass es den Blog gibt, ich kenne zwar die meisten storys und noch eingies mehr, per sms, mail oder telefon, und doch ist es auch für mich schön zu lesen, was du eben auch allen zugänglich machst und dann in einem guss so dasteht. (ich habe mir erlaubt einige abschnitte einzufügen, weil man sich beim lesen leicht verirrt.) ich wünsche dir eine schöne Weihnachtszeit und morgen einen wunderschönen und bestimmt sonnigen geurtstag.
Alles liebe, viel Kraft und Gesundheit
Andreas


(26.12.07 10:04)
noch was,
gerne würde ich einige stellen aus dem Buch: Der Traum von Afrika , von Pamela Watson einfügen, sind so kleine anekdoten. vielleicht würde ich sie dir auch als anhang mailen. jedenfalls ist es sehr empfehlenswert zu lesen, es bringt einem auch innerlich etwas näher in deine Welt.
"Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich was ich sein könnte. Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich, was ich brauche." (Lao Tse, Tao te King)
"Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, sondern iwie wir sind." ( Anais Nin)
Andreas


marie-theres (27.12.07 23:48)
Liebe Christine

Es ist noch ganz knapp dein Geburtstag, also genau noch eine Viertelstunde um dir zu gratulieren: A very happy birthday to you und ein ganz gutes, spannendes und vor allem glückliches neues Lebensjahr!!
Zur Knobelei: also für's afrikanische Geburtstagsgeschenk zwei Ideen: ein lebendiges Huhn (das du dann vielleicht sogar selber hättest schlachten sollen ) oder vielleicht gar eine Zöpfchen-Haarverlängerung!? Und das Poulet televise ist vielleicht ein Abendessen vor dem TV à la brasilienne?
Heute war ich mit Susanne unterwegs um für mich ein Brillengestell auszulesen. Danach thailändisches Abendessen, deshalb die späte Gratulation.
Ganz liebe Grüsse und bald wieder mal mehr
MT

In den letzten Minten noch herzliche Glückwünsche zum Geburtstag.
Susanne

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